Newsarchiv Vocal Champs & Acappella Bundescontest

Powerfrauen aus Österreich

Immer voller Power: Gastgeber Bernd Gaßner erzählt den fünf Frauen aus Wien, wie die Molkerei früher genutzt wurde und wie dort heute gearbeitet wird. Foto: Josef Thesing

1000 Kilometer sind sie gereist, um zum „German Acappella Bundescontest“ nach Sendenhorst zu kommen. Die fünf Powerfrauen aus Wien haben das nicht bereut – sie fühlten sich pudelwohl.

1000 Kilometer sind ein Wort. Von Sendenhorst hatten die fünf jungen Frauen nie zuvor etwas gehört. „Ich dachte, dass das eine große Stadt ist“, erzählt Juci Janoska am Samstagmittag beim Kaffee in der Sonne neben dem „Studio 4“, in dem der „German Acappella Bundescontest“ auf Hochtouren läuft. „Bei so einer Großveranstaltung. . . “.

Nun, dass Sendenhorst im 1000 Kilometer entfernten Wien nicht unbeding in jedermanns Munde ist, darf an dieser Stelle getrost nachvollzogen werden. Und das Kompliment der fünf Frauen vom „Beat Poetry Club“, die erst spät in der Nacht auf die Bühne steigen werden, dürfen sich die Veranstalter und die Stadt getrost ans Revers heften. „Es ist sehr schön hier. Und es gibt viel Grün“, sagt Juci. Und Karin Zehetner fügt an: „Das Festival ist ganz toll organisiert.“

Bleibt trotzdem die Frage, warum die fünf Frauen aus der österreichischen Metropole in das kleine Ständchen im Münsterland reisen, von dem sie zuvor nicht einmal den Namen kannten, um dort zu singen? „Die Einladung hat uns sehr gefallen“, sagt Karin. Und sie nutzen viele Möglichkeiten, Menschen aus der Szene kennenzulernen – auch, wenn das einen Haufen Geld kostet. Und so ging es am Donnerstag mit dem Billigflieger von Wien nach Hannover, von dort mit dem Zug nach Neubeckum und dann weiter nach Sendenhorst. Sie wohnen in Sendenhorst bei Menschen, die sie auch noch nie vorher gesehen haben, geschweige denn kannten. „Wir haben einfach einen Schlüssel bekommen, obwohl Tina und Paul noch gar nicht zu Hause waren“, erzählt Nina Braith, die Dritte im Bunde. „Die Menschen hier sind extrem gastfreundlich“, fügt sie an.

Konversationssprache ist Englisch, denn das Küken unter den fünf sehr humorvollen Powerfrauen ist erst seit einigen Monaten dabei und kommt aus Russland. Auch sie soll jedes Wort mitkriegen. Aygyul Leto, 21, lernt gerade intensiv Deutsch. Sie ist Studentin. Und sie hat in der Band einen extrem wichtigen Job: Sie gibt bei den Auftritten das Tempo vor.

Und dann ist da noch Eliana Graciela Müller, die chilenische Wurzeln hat und die bei Auftritten für die tollen Soli zuständig ist. „Es ist extrem schwierig, eine sehr gute Sängerin mit einer solch tiefen Stimme zu finden“, sagt Juci, mit 42 die „Mutti“ der Truppe, wie sie sich selbst bezeichnet.

Über jede der fünf Frauen ließe sich eine eigene, interessante Geschichte erzählen. Karin, zum Beispiel, unterrichtet unter anderem wie die anderen Frauen mit Ausnahme von Aygyul nicht nur an der Hochschule. In Niederösterreich bewirtschaftet sie einen Bauernhof und spricht natürlich auch Mundart, es gibt sogar einen solchen Song. Auf ihrem Hof haben die fünf Mädels auch ein Video für eine Vorstellung gedreht: Alle in Brautkleidern auf einem Traktor.